Home Gelesen Tesla – die Zukunft hat begonnen

Tesla – die Zukunft hat begonnen

Einem hippen Autohersteller, der gemeinhin als Disruptor einer ganzen Branche angesehen wird, mit einem schnöden Buch zu begegnen, ist ja an sich schon ein Anachronismus. Erst recht dann, wenn es sich der Firma Tesla (und ihren Produkten) und weniger dem Phänomen Tesla (samt seinem “charismatischen” Chef Elon Musk) widmet.

Zumindest im deutschsprachigen Raum ist Frank O, Hrachowys, vom Motorbuch-Verlag herausgegebenes Werk “Tesla – die Zukunft hat begonnen” meines Wissens nach das erste und einzige seiner Art. Und tatsächlich ist es ein minimal seltsames Gefühl, über Tesla etwas auf gedrucktem Papier zu erfahren – und nicht per Internet-Magazin, Podcast oder irgendwelchen Twitter-Ergüssen.

Leicht enttäuscht musste ich allerdings nach einigem Rumblättern samt Netzrecherche feststellen, dass das Buch gleich zwei Blendgranaten wirft. Erstens wurde es vom Motorbuch-Verlag bereits im Frühjahr 2020 (mit anderem Cover) veröffentlicht. Es handelt sich also nur um eine – um den entsprechenden Zeitraum erweiterte – Neuauflage. Das ist nicht unüblich; allerdings verschweigen Verlag und Autor diesen Umstand offensichtlich bewusst. Und Zweitens wird das Buch seinem eigenen Unter-Untertitel – Entwicklung, Technik, Typen – nur bedingt gerecht. Denn auf konkrete Angaben zu Modellreihen und -varianten verzichtet das Buch ebenso wie auf jede Art von Datenblätter oder Tabellen. Das wirkt recht inkonsequent. Beziehungsweise ist in meinen Augen ein echter Faux-Pas. Zumal sich das Werk ansonsten auf durchaus gelungene Weise auch an Tesla-Laien und Nicht-Die-Hard-Fans richtet. Die wird es dann auch weniger stören, dass im ganzen Buch kein einziges originäres oder sonstwie speziell gemachtes Foto verwendet wird. Zu 90% nahm Hrachowy einfach Tesla-Pressebilder bzw. Aufnahmen von den Wikimedia Commons. Für ein reines Sachbuch vielleicht okay; für einen schönen Schmöker aber arg billig.

Und noch ein letzter formaler Kritikpunkt: Hrachowy schreibt konsequent im Präteritum, also der ersten Vergangenheit. Das mag grammatikalisch nicht falsch sein und 2035 oder so, wenn “Die Zukunft hat begonnen” mal ein Antiquariat ist, nicht weiter auffallen. Doch bei einem druckfrischen Buch, das nicht nur an die Gegenwart heranreicht, sondern bei dem auch viele beschriebenen Geschehnisse aktuell noch zutreffen, liest sich das gerade zum Ende hin immer befremdlicher.

Inhaltlich geht Hrachowy streng chronologisch vor. In den Jahren vor 2003 in Form einer Musk-Vita. Das macht bei einem noch recht jungen Unternehmen absolut Sinn, zumal sich das erste Drittel des Buches mitunter wie ein hochspannender Wirtschaftsthriller liest. Auch wenn es um Tesla geht, ist es ein Paradestück über die Dot-Com-Branche und ihre charakterlich zweifelhaften Macher an sich. Den Mittelteil prägt hingegen ein mitunter leicht spöttischer Unterton. Zeitlich zwischen 2015 und 2018 angesiedelt, entspricht es in etwa dem Zeitraum, bei dem Musk-Anspruch und Tesla-Wirklichkeit besonders weit auseinanderklaffen. Großkotzigen Musk-Tweets stehen gerade mal 222 ausgelieferte “Großserien”-Model-3 in einem Quartal gegenüber.

Der letzte Part ab 2019 gerät dann betont nüchtern. Letztendlich hat Hrachowy hier auch kaum mehr was anderes zu tun, als eine Erfolgsmeldung nach der anderen abzufeuern. Das verleiht der Neuauflage trotz des zu 90% gleichen Inhalts auch ihren eigenen Charakter: Es ist eine eindeutige Erfolgsstory, während der auf dem Stand von Anfang 2020 befindliche Erstling eine ziemlich wechselhafte Tesla-Geschichte mit noch ungewissem Ausgang zu erzählen hat.

Sowohl die inhaltliche Aufmachung als auch der Sprach- und Erzählstil gerieten auffallend sachlich. Dies ist nicht zuletzt dem Background Hrachowskys geschuldet: Er ist kein “schriftstellerischer” Autor, sondern kommt als promovierter Technikhistoriker von der wissenschaftlichen Seite. Und dennoch: Seinem eigenen, im Vorwort auch erläuterten Vorsatz, “eine Kommentierung oder Bewertung der Zusammenhänge” dem Leser zu überlassen, kann er nicht immer ganz folgen.

So gut er seiner Chronistenpflicht auch nachkommt: Die bis zu einem gewissen Grad subjektive Färbung seiner Texte konnte (oder wollte) er dann doch nicht vermeiden. Der Tesla-Technik samt dazugehöriger Autos zollt er zum Beispiel erkennbar seinen Respekt. Über Tesla als Firma schreibt er immer wieder dezent süffisant bis sarkastisch. So als könnte er es mitunter selbst nicht fassen, dass sie nach all den Irrungen und Wirrungen der ersten 15 Jahre immer noch existiert. Der Person Elon Musk hingegen steht er aber eindeutig negativ gegenüber und wird nicht müde, dies auch zu unterlegen. Zumeist mit harten Fakten, mitunter ab er auch mit (eigentlich unnötigen) Details aus seinem Privatleben. Interessanterweise beginnt das Buch damit, dass Elon über die Persönlichkeit seines Vaters Errol Musk derb herzieht. Zufall oder Absicht? Keine Ahnung, aber auf jeden Fall eine nette Pointe.

TESLA - DIE ZUKUNFT HAT BEGONNEN

34,90 Euro
7.2

Inhaltliche Qualität/Tiefgang

8.6/10

Schreibstil/Lesespaß

7.8/10

Aufmachung/Layout

7.7/10

Bildqualität/Auswahl

4.8/10

Features

  • Seiten: 212
  • Autor: Frank O. Hrachowy
  • Ausführung: Hardcover
  • Format: 230 x 265 mm

Pro/Contra

  • + viel Tiefgang
  • + inhaltlich stark
  • + aufgeräumtes Layout
  • - uninspirierte Bildauswahl
  • - keine expliziten technischen Daten
  • - kleine sprachliche Schwächen

This is the heading

Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipiscing elit. Ut elit tellus, luctus nec ullamcorper mattis, pulvinar dapibus leo.

asphaltprosa.de ...alles rund um's Autobuch