Home Uncategorized Jason Barlow: Bond Cars – The Definite History

Jason Barlow: Bond Cars – The Definite History

Geschüttelte Martinis. Größenwahnsinnige Superbösewichte. Glamouröse Schauplätze. Gespielinnen mit anzüglichen Namen. Grotesk überdrehte Action. Der typische Zutatenmix eines James-Bond-Films, je nach Dekade und Zeitgeist in veränderlichen Gewichtsanteilen. Und Autos? Ja, natürlich auch Autos! Ob nun als Spielzeug der Superreichen, Bond-Einsatzfahrzeug oder “für eine Verfolgungsjagd taugt alles”-Allerweltsauto – in praktisch jedem Film spielen fahrbare Untersätze zumindest eine bedeutende Nebenrolle.

Auf den meisten Seiten gibt es ziemlich viel zu entdecken. Hier Produktionsnotizen sowie Set-Fotos von “The Living Daylights”, dem einzigen “klassischen” Bond mit Timothy Dalton.

Jason Barlow stellt in seinem Buch die wichtigsten “Bond Cars” Film für Film vor. Und wird dabei sicherlich etliche Käufer überrascht haben, was auch diverse Rezensionen belegen. Auf den Käufer wartet kein Hochglanzkatalog mit riesigen Bildern und ellenlangen technischen Daten. Vielmehr geht es hauptsächlich darum, wie die einzelnen Blech-Stars in die Filmproduktion eingebunden wurden und welche Bedeutung sie für den Film hatten. Viel Platz wird dem Aspekt gewidmet, welcher Aufwand dabei getrieben wurde, sei es nun für eine spektakuläre Verfolgungsjagd oder dem explosiven Ende einer Auto-Karriere.

Auch mich hat Barlow mit seinem Ansatz überrascht. Gleichzeitig gefällt er mir extrem gut. Auch wenn die Autos (und manch andere Vehikel) im Vordergrund stehen – Barlows Buch lässt vor allem die einzelnen Bond-Filme wieder lebendig werden. Jeden auf seine Weise. Jeden mit seiner ganz eigenen Charakteristik. So entsteht über die 300 Seiten hinweg eine ungewöhnliche Atmosphäre. Nicht zuletzt durch haufenweise Material, das auch dem Bond-Kenner noch echten Mehrwert bieten dürfte. Es bezieht sich vor allem auf das Auto als Produktionsmittel. Als Requisite, um einem Bond-Streifen seinen ganz besonderen Flair einzuhauchen. Planungsskizzen von Stunts, Schriftverkehr über die Beschaffung und Verwendung der einzelnen Autos, Briefe von externen “Zulieferern”, Fotos vom Set und den Dreharbeiten… Mitunter kann man sich dabei ein Schmunzeln nicht verkneifen. So beschwert sich etwa ein Filmauto-Verleiher bei “Diamantenfieber”, dass das Dutzend zurückgebrachter Fords in einem furchtbaren bis teilweisen irreparablen Zustand sei – samt saftiger Nachforderung.

Selten gesehenes Material wie diese handgezeichnete Ablauf-Skizze für die Eröffnungssequenz von “Im Geheimdienst Ihrer Majestät machen das Buch so wertvoll. Dass Autos dabei mitunter nur eine Nebenrolle spielen, stört dabei überhaupt nicht.

Wie gesagt: Ein akribisch geführter Modellkatalog will “Bond Cars” nicht sein (eine komplette Autoliste ist allerdings im Anhang zu finden). Wobei es durch den überflüssigen Untertitel “The Definitive History” selbst eine gewisse Erwartungshaltung erzeugt, an der es so gesehen scheitert. Mir macht es nichts aus, ganz im Gegenteil. Daraus, dass Bond Cars oft an Stellen weiter ausholt, an denen man es gar nicht unbedingt erwartet, bezieht das Buch seine Spannung. Und auch seine Bedeutung, denn offensichtlich war der Autor gar nicht daran interessiert, ein routiniertes, erwartbares Standardwerk abzuliefern.

Mitunter übertreibt es Barlow allerdings mit der Nonkonformität. Spectre etwa, der 24. und aktuell zweitjüngste Bond-Streifen, wird vergleichsweise schnell abgefrühstückt. Dabei haben hier mit dem Aston Martin DB10 und dem Jaguar CX75 die beiden einzigen Autos ihren Auftritt, die entweder speziell für Bond kreiert wurden (DB10) beziehungsweise nie in Serie gingen (CX75). Alleine mit diesen beiden Supersportwägen hätte man vermutlich ein halbes Buch füllen können. Stattdessen sparte sich der Verlag den Platz für den aktuellsten Bond “No time to Die” auf, mit dem das Buch werbewirksam gleichzeitig erschien. Überhaupt wirkt es mitunter etwas unlogisch bis seltsam, welchem Film wieviel Platz zugestanden wird. Für mich denn auch der einzige größere Kritikpunkt.

In Skyfall erlebt der DB5 ein ebenso spektakuläres wie symbolbeladenes Comeback – nur um am Ende effektvoll in die Luft zu fliegen

Das ändert aber nichts daran, dass Bond Cars im besten Sinne ein klassischer Schmöker ist. Man blättert vor, blättert zurück, bleibt bei einer netten Anekdote hängen, sieht sich eine bunt-informative Grafik an, schlägt bei seinem persönlichen Film-Favoriten nach. Das quirlige und dabei klar strukturierte Layout unterstützt diese Art des Konsumierens. Ruhige Standardlayouts mit großformatigen Fotos wechseln sich ab mit Doppelseitern, die mit ihrer kleinteiligen Gliederung leichten Wühltischcharakter haben. Zu Entdecken gibt es jedenfalls immer genug.

Meine Besprechung beruht auf der englischen Originalversion des Buches. Für den vollen Genuss ist halbwegs sattelfestes Englisch schon nötig. Die deutsche Ausgabe ist dazu quasi identisch (und zudem gut übersetzt), kostet mit rund 40 Euro allerdings fast das Doppelte. Auch das ist Barlows Werk durchaus wert – die UK-Variante ist für weniger als 25 Euro allerdings ein echter Preis-Leistungshammer.

  • Inhaltliche Qualität/Tiefgang - 0/10
    0/10
  • Schreibstil/Lesespaß - 0/10
    0/10
  • Aufmachung/Layout - 0/10
    0/10
  • Auswahl/Qualität Bilder - 0/10
    0/10
0/10
Benutzer-Bewertung
0/10 (0 Stimmen)

This is the heading

Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipiscing elit. Ut elit tellus, luctus nec ullamcorper mattis, pulvinar dapibus leo.

asphaltprosa.de ...alles rund um's Autobuch