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Ingo Seiff: Ferrari

Mein ganz persönlicher Scheunenfund: Das „Ferrari“-Buch von Ingo Seiff, erschienen im Hoffman und Campe-Verlag. Das gabs für lau bei einem Garagenverkauf (bzw. in dem Fall eben bei einem Scheunenverkauf in einem typischen fränkischen Winzerdörfchen), ich hab natürlich trotzdem was in das bereitgestellte Sparschweinchen geworfen. Mit seinem großen Format und themenbedingt viel Rot auf dem Cover sprang es mir sofort ins Auge.

Eine typische Doppelseite: Die – qualitativ guten – Bilder links haben nichts mit den rechts stehenden Artikeln zu tun.

Anfangs war ich skeptisch: Ein doch sehr ausgelutschtes Standardthema, herausgegeben von einem Großverlag. Viel mehr als eine lieblose 08/15-Abhandlung des Mythos’ Ferrari habe ich da nicht erwartet. Geschweige denn einen Inhalt, der auch nur ansatzweise Originelles bietet. „Ferrari“ überrascht so gesehen absolut positiv. Ingo Seiff ist nicht der (alleinige) Autor, sondern fungiert vor allem als Herausgeber. Und hat eine durchaus illustre Autoren-Schar versammeln können. Dabei sind unter anderem Malte Jürgens, Doug Nye und nicht zuletzt Rennfahrer-Journalisten-Tausendsassa Paul Frère, der eine sehr launige Abhandlung über seine Jahre als Ferrari-Pilot verfasst hat. Und dabei mit seiner Meinung und so manchen pikanten Details wenig hinter dem Berg hält.

Dass es sich um teilweise schon 30 Jahre alte Artikel handelt, merkt man an einigen – aus heutiger Sicht amüsanten – Passagen. So verweist etwa Werner Schruf in seiner 250-GTO-Abhandlung auf die exorbitanten Preise, welche bei den seltenen Besitzerwechseln bezahlt würden – zuletzt seien 285.000 Dollar geflossen, damals rund 350.000 Euro. Falls Sie es nicht wussten: Inzwischen wurden GTO mehrfach für weit über 25 Millionen US-Dollar verkauft.

Der datentechnische Anhang passt in Stil, Aufmachung und Schriftart nicht zum Rest des Buches. So, als wäre er unverändert und unbearbeitet aus irgendeinem Archiv gezerrt worden.

Zu den weiteren Vorzügen gehören tolle, oft doppelseitige Fotos in hervorragender Qualität. Das ist auch dem schon eingangs erwähnten großen Format geschuldet: “Ferrari” passt als bisher einziges Buch meiner Sammlung nicht ins Ikea-Kallax-Raster. Ein richtig gutes Werk ist „Ferrari“ dennoch nicht geworden. Es fehlt am Konzept, am nachvollziehbaren Ansatz. Und an einem umfassenden Rahmen für die lose zusammengewürfelten Artikel. Die decken zwar viele, aber eben längst nicht alle Themenbereiche ab und wirken somit etwas willkürlich ausgesucht. Die Textparts kommen zudem quasi ohne Layout aus, auch bei den Bilderstrecken ist kein rechtes System erkennbar. Das gipfelt in einem auf der rechten Seite beginnenden F40-Artikel, der links mit einem Bild des 84er Testarossas illustriert ist. Insgesamt nicht gerade ein optischer Genuss.

Das Buch ist eine 1998 zum 50. Jubiläum der Firma Ferrari erschienene Neuauflage. Ursprünglich entstand es 1991, ein Großteil der Texte und Bilder wurde unverändert übernommen. Das kann mitunter für Verwirrung sorgen, (auch wenn der Autor im Vorwort die Entstehung der Neuauflage genau erklärt), da sich die Texte auf ein „Jetzt“ beziehen, das über die kompletten 90er Jahre hinweg reicht. Solch zeitkritische Artikel gilt es eigentlich zu vermeiden, lernt man gleich im ersten Jahr auf der Journalistenschule. Hier merkt man deutlich, warum.

Paul Frére, Rennfahrer- und Journalistenlegende in Personalunion, plaudert in seiner typischen Weise über die Jahre als Ferrari-(Werks-)Pilot. Wenig überraschend gehört seine Anekdotensammlung zu den besten Artikeln des Buches.

Eine behutsame Überarbeitung wäre also schön gewesen. So wird im bereits erwähnten F40-Artikel mit keinem Wort erwähnt, dass ihm ab Mitte der 90er als GTE doch noch eine sehr späte und halbwegs erfolgreiche Rennkarriere vergönnt war. Unvermeidlich dagegen die Hinzunahme des verkaufsfördernden „Schumi bei Ferrari“-Artikels, den Herausgeber Seiff der Einfachheit halber gleich selbst schrieb. Immerhin hält er sich recht kurz – nicht zuletzt wohl dem Umstand geschuldet, dass die fünf WM-Titel am Stück da noch in der Zukunft lagen.

„Ferrari“ bekommt man problemlos über Ebay und einschlägige Gebrauchtbuch-Plattformen für ein paar wenige Euro. Etwas seltener und somit auch teurer ist die Erstausgabe von 1991 im Schuber und dem 250 GTO auf dem Cover.   

Ferrari

Buchtitel: Bezugsquelle

Buchautor: Ingo Seiff

Buchausgabe: Deutsch

Buchformat: Hardcover

Publisher - Orgnization: Hoffmann und Campe

Logo des Herausgebers:

Erscheinungsdatum: 1. January 1998

ISBN: 3-455-08265-3

Anzahl der Seiten: 252

Bezugsquelle

  • Inhaltliche Qualität/Tiefgang - 6/10
    6/10
  • Schreibstil/Lesespaß - 7/10
    7/10
  • Aufmachung/Layout - 4.5/10
    4.5/10
  • Auswahl/Qualität Bilder - 8/10
    8/10

Urteil

Interessante Texte, schöne Bilder – und dennoch kein richtig gutes Buch. Ingo Seiffs Ferrari-Werk versprüht ein wenig den Charme einer Loseblattsammlung, bei der schlüssiges Konzept und richtiges Layout einfach weggelassen wurden. Als billig zu erstehender Buch-Oldie verzeiht man ihm aber gerne die ein oder andere Schwäche.  

Overall
6.4/10
6.4/10

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